Was bisher geschah …

Die Menschen hatten es endlich geschafft: Ein neuer Antrieb erlaubte es ihnen, Raumschiffe zu bauen, die schneller waren und damit weiter ins All vordringen konnten. Das erste Galaxy-Ship, die Hope, hatte bereits drei Reisen absolviert und dabei faszinierende Erkenntnisse über die näher am Zentrum der Milchstraße gelegenen Bereiche sammeln können. Die Wissenschaftler auf der Erde, dem Mars und dem menschlichen Außenposten Wöltu hatten neue Daten für ihre Forschungen erhalten und selbst auf Warén, wo die einzige den Menschen bis dahin bekannte außerirdische Zivilisation existierte, stießen die Forschungsergebnisse der GS1 Hope auf Interesse.

Auch von der vierten Reise versprachen sich die Menschen Bewegendes. Sie bekamen es, in mehrfacher Hinsicht.
 Zum einen stellte sich heraus, dass es nicht einfach nur weitere außerirdische Zivilisationen gab, sondern dass die inneren Gebiete der Galaxis sogar recht dicht mit zahlreichen Völkern besiedelt waren.

Zum anderen erwies sich, dass die Völker und Bündnisse mitnichten friedlich miteinander lebten. Die Hope war zwischen die Fronten zweier derartiger Sternenreiche geraten. Sowohl die Besatzung des Schiffes der Nugroma als auch die Crew des Föderationskreuzers hatten die Hope für ein jeweils feindliches Schiff gehalten und beschossen. Beinahe ein Viertel der Besatzung der Hope war dabei ums Leben gekommen. Während die Nugroma es nach der Entdeckung ihres Irrtums dabei bewenden ließen, hatte der Föderationscaptain den Menschen Hilfe angeboten. Seine Ingenieure hatten die Hope notdürftig zusammengeflickt, so dass sie die Heimreise antreten konnte. Im Gepäck ein Dutzend Tote und ein Freundschaftsangebot der Planetaren Föderation.

Zu Hause auf der Erde wurde die Hope verschrottet und die Hoffnung begraben, dass der Mensch in Zukunft ohne Militär auskommen würde. Die Warner hatten Recht behalten. Jetzt konnten sie sich das Verdienst an die Brust heften, komplette Strukturpläne für die militärische Restrukturierung der eben als zivil umgestalteten Sternenflotten aus dem Hut ziehen zu können und Bewaffnungsschemata für das sich im Bau befindliche Galaxy-Ship 5 parat zu haben.

Die Idee eines Terranischen Bundes erhielt nun ebenfalls neue Nahrung. Bisher hatte man die Beziehungen zwischen den Menschenwelten eher projektbezogen organisiert – bei nur drei Planeten schien mehr auch nicht sinnvoll zu sein. Doch nun ging die Gründung schnell vonstatten: Bereits ein Jahr nach der Rückkehr der Hope wurden die Verträge zwischen Erde, Mars und Wöltu unterzeichnet.


Ob Warén dem Bund beitreten sollte, wurde deutlich länger diskutiert. Einerseits wäre der Planet der dann am weitesten vorgerückte Posten des neuen Bündnisses und damit strategisch wertvoll gewesen. Anderseits war die warénische Zivilisation extrem klein und damit kaum schlagkräftig: Es gab lediglich eine Stadt und ein paar kleinere Siedlungen im Umland und das Volk der menschenähnlichen Kara zählte nur knapp eine Viertel Million. Wie viele der nichtstofflichen Wahren Herrscher es auf Warén gab, konnten selbst die Kara, die in mentalem Kontakt zu diesen Wesen standen, nicht sagen. Es wäre auch unerheblich gewesen, denn die Herrscher waren außerstande, ihre schützenden Hallen zu verlassen – jegliche Energien der stofflichen Welt waren ein Gefahrenpotential für sie, das sie sorgfältig dosieren und kontrollieren mussten. Dass die Fähigkeit der Wahren Herrscher, den Nanoskosmos zu manipulieren, ein Trumpf in einem Krieg sein könnte, wurde durch diese Empfindlichkeit praktisch belanglos gemacht.

Auch auf Warén war die Meinung über einen Beitritt geteilt. Zwar wäre der Planet bei einem Angriff durch eines des Inneren Völker ohne den Beistand der Menschen schutzlos, doch der Bedarf der Kara nach Kampf war denkbar gering. Zu frisch waren noch die Erinnerungen an den Großen Umbruch, an dessen verheerender Bilanz an Todesopfern die Menschen nicht ganz unschuldig gewesen waren. Auch kursierte die Idee, dass niemand ein militärisches Interesse an dem Wüstenplaneten haben würde, wenn er nicht als Stützpunkt der Menschen galt.

Noch schwerer wog jedoch das Unbehagen angesichts der Vorstellung, dass zahlreiche Menschen auf Warén stationiert würden. Mental ungeschult und nicht in der Lage, ihre Gedanken und Gefühle abzuschirmen, würden sie sich wie wandelnde voll aufgedrehte Psi-Lautsprecher unter den Kara bewegen und die wohlig-kühle Ruhe der Stadt stören. Einige Mitglieder des regierenden Hohen Rates forderten deshalb sogar, jeglichen Kontakt zu den Menschen abzubrechen.

Es gab jedoch auch Kara, die in den Menschen die Chance sahen, nach den Jahrhunderten der Isolation auf Warén endlich mehr zu erfahren. So reisten 20 von ihnen gegen den Widerstand des Hohen Rates mit der GS4 Marco Polo zur Erde, um dort zu lernen. Zwei dieser Wagemutigen brachen schließlich mit der GS5 Explorer zu einer Reise in den äußeren Solarm der Milchstraße auf. Niemand erwartete dort draußen spektakuläre Entdeckungen. Aber sich zu irren war schon immer eine der spannendsten menschlichen Eigenschaften gewesen.