Aus Rezensionen „Tote Helden“


Frank Kliche meint auf amazon:
Science-Fiction – nicht mehr und nicht weniger. Ohne viele Schnörkel, ohne zermürbendes Techno-Blabla. Erzählt in einer gleichmäßig fließenden Form, gefüllt mit ebenso fantastischen und schönen Bildern, wie mit bizarren Elementen. Keine gigantischen Raumschlachten, keine riesigen Sternenreiche. Ein bisschen von allem, und insgesamt von allem ein bisschen mehr. … Unterhaltung pur, von der ersten bis zur letzten Seite.


Ralf Steinberg meint auf Fantasyguide.de:
Ohne Erinnerungen aufzuwachen ist kein besonders schönes Erlebnis. Selbst im Jahre 2292 kann es passieren, dass man einer stark verstümmelten Frau aus einer Rettungskapsel keinerlei Identität zuordnen kann. Sie selbst benennt sich nach zwei Wörtern, die in ihr etwas zum Klingen bringen, Ines Braun.
Nur langsam findet Ines in ein eigenes Leben, da sie keinerlei Ahnung hat, welche Fähigkeiten und Kenntnisse sie besitzt. Doch die Arbeit in einer Gärtnerei scheint ihr zu liegen und während sie selbständig mit der Recherche nach verunglückten Frauen beginnt, begegnen ihr vertraut erscheinende Menschen. Immer deutlicher wird für Ines, dass sie sehr viel mit der Wöltu-Mission verbindet. Mit Inéz, Katharina, Thomas und Frank. Bald beginnt sie, die Geschichte der Mission so aufzuschreiben, wie die Ereignisse ihr richtig erscheinen …

Die Suche nach der Identität von Ines Braun erzählt die Autorin in Notizen, Tagebuchaufzeichnungen, einem Fernsehscript, Missionsberichten, der Erzählung ›Wöltu von Ines Braun‹, einem Interview und Labordialogen. Die Handlungszeiten verschränken sich, so wie sich auch Ines’ Suche verschlingt, verknüpft, ins Leere stößt. Dabei findet sie sich nach und nach selbst, ständig im Kampf mit den Erinnerungen, von denen sie nie genau weiß, ob es ihre eigenen sind.
Als Leser bleibt man lange Zeit genauso ahnungslos oder schwenkt mit Ines zusammen immer wieder auf neue Möglichkeiten ein. Erst fast am Ende wird deutlich, wie groß der Science-Fiction-Aspekt des Romanes tatsächlich ist, denn die Erklärung ist weder trivial noch erwartbar.
Die Autorin bleibt in jeder Einzelform der Collage dicht an ihrer jeweiligen Hauptfigur. Die emotionale Dichte wird selbst in den actionreicheren Passagen nie verwässert. So erlebt man das Gefühlschaos von Katharina Brauer ebenso mit, mit Ines drohende Verzweiflung, sich in der Psyche von Fremden zu verlieren.
Wie schon in »Zweisam« konzentriert sie sich dabei auf die weiblichen Figuren und stellt die Männer eher in die zweite Reihe, selbst wenn sie als Liebhaber recht häufig Verwendung finden. Dadurch bleibt zumindest in den intimsten Teilen der Figuren eine gewisse Distanz.
Die Star Trek Anleihen fallen diesmal deutlich geringer aus, der Weltenbau spielt nur in einzelnen Szenen eine Rolle, da viele Teile der Collage weitere Erklärungen weder bedürfen noch vertragen. Im wesentlichen ergeben sich so ganz allgemeine, symbolhafte Schauplätze, die zu Schablonen für die viel wichtigeren inneren Suchschritte der Identifikationsfindung werden. Gedankenräume.
Das Ende besteht aus mehreren Partikeln, die weitere Verbindungen zur »Warén«-Welt herstellen und in einem letzten melancholischen Ausklang einen sehr nachdenklichen Roman würdig abschließen.
Einige Geschichten blieben unerzählt oder wurden nur angedeutet. Grund zur Hoffnung auf baldigen Nachschub aus jons Romanwelt.
Fazit:
In der ungewöhnlichen Form einer Collage erzählt die Leipziger Autorin jon in »Tote Helden« von der schwierigen Suche nach der Identität einer Frau, die ihr Gedächtnis verlor.
Darin eingebettet ist nicht nur eine etwas ungewöhnliche Science-Fiction-Geschichte sondern auch der Erforschung eines Universums, dessen Gesetzmäßigkeiten keineswegs so rational und leicht zu durchschauen sind, wie es den Anschein hat..