„Allein oder Das Erbe der Terraformer“

Science-Fiction-Roman


Rstr gehört zu einem insektoiden Naturvolk auf Talla und absolviert auf einer Insel ein Prüfungsjahr. Die merkwürdigste Erfahrung ist seine Begegnung mit einem Bunthäuter. Zur gleichen Zeit sucht der Archäologe Krissm Rt nach einem wertvollen Artefakt, nicht ahnend, dass sein Begleiter Kirr Ssn für einen geheimen Orden arbeitet, der ebenfalls hinter dem Schatz der Syrrtyrrn her ist.

Ines Braun, Captain des Galaxy-Ships Horizon, begegnet auf dem Planeten Kelton dem Letzten eines Volkes, das vor Urzeiten unser Universum besiedelte. Der Glauben an dieses Volk gilt auf Kelton allerdings als todeswürdige Blasphemie, was den gesamten Landetrupp in Gefahr bringt. In Wirklichkeit hat die Horizon aber ein noch viel größeres Problem …


Vorab erschien die Geschichte „Am Ende des Regens“ in der 2014er SF-Anthologie von Fantasyguide.de.



 

Aus Rezensionen zu „Allein“


Ralf Steinberg meint auf fantasyguide.de:
Der jüngste Roman aus der Feder von jon, der Leipzigerin Ulrike Jonack, spielt erwartungsgemäß in ihrem Warén-Universum. In Allein oder Das Erbe der Terraformer begegnet uns Ines Braun wieder, deren Schicksal den Episodenroman Tote Helden bestimmte. Doch man kann auch diesen Roman ohne Vorkenntnisse lesen und verstehen.



Die Namen und Begriffe auf Talla mögen zunächst verwirrend erscheinen, jedoch gelingt es der Autorin sehr schnell, mittels ihrer Figuren Zusammenhänge und Hintergründe zu erläutern ohne auf Infodumps zurückgreifen zu müssen. Sowohl die höher entwickelte Kultur, als auch die Stammeskultur des jugendlichen Rstr werden sehr lebendig.

Hinzu kommt, dass besonders die an Indiana Jones erinnernde Archäologie-Story höchst spannend zu lesen ist. Der Kunstgriff, sich die Geschichte des Planeten durch die Figuren selbst zu erarbeiten, macht großen Spaß. Sehr typisch für jon ist dabei auch der große Anteil an emotionaler Verbindung.

Der wichtigste Part wird dabei durch das Dilemma von Ines Braun gebildet. Sie ist Kapitänin durch den Tod ihres Vorgesetzten geworden und nicht, weil sie sich um dessen Stelle bewarb. Und nun sieht sie sich vor schwerwiegende Entscheidungen gestellt, die ihre gesamte Besatzung für immer verbannen könnten. Eine einsame Rolle.

jon beschreibt die schwierige Entscheidungsfindung ohne pathetische Ergriffenheit, ohne das übliche Sendungsbewusstsein. Ines Braun ist keine Draufgängerin und muss doch für ihre Mannschaft als Captain funktionieren.



Fazit: Mit »Allein oder Das Erbe der Terraformer« gelingt jon eine frische Science-Fiction-Story um Liebe, Verantwortung und die großen Rätsel des Universums. Im besten Sinne des Wortes eine Space-Opera, die auf knapp 180 Seiten mehr und tiefgründiger zu berichten weiß, als so manche Trilogie.


 

Leseprobe 1 aus „Allein oder Das Erbe der Terraformer“



So vergingen ein paar Wochen. Dann trat der Orden erneut an mich heran und beauftragte mich, Doktor Krissm Rt dazu zu bringen, Professor Kirr nachzureisen. Ich bemühte mich, mir nicht vorzustellen, dass Doktor Krissm Rt meinem Elter zur Rettung geschickt werden sollte oder der Professor nun auch aus der Sicht des Ordens verschollen war und sie Krissm Rt brauchten, ihn aufzuspüren, aber auch das war nur von mäßigem Erfolg gekrönt. Also konzentrierte ich mich auf meine Aufgabe.

Dem Ruf folgend, der Krissm vorauseilt, erzählte ich ihm von der Absicht meines Elter, das Auge zu finden, und zeigte ihm die gleichen Symbole, die ich schon dem Professor untergeschoben hatte. Krissm Rt, das ich wohl eher als Abenteurer und Schatzsucher denn als Archäologen bezeichnen möchte, erkannte die Zeichen nicht oder gab dies zumindest vor. Auf dem Weg in das als Gaunerparadies verschriene Nest Temtkerr, wo Krissm einen alten Seher namens Mirrkt zu befragen gedachte, räumte der Doktor jedoch ein, die Analogie zu den üblichen archäologischen Zeichen für die Tempel aus dem Hellen Zeitalter durchaus bemerkt zu haben.

Wir, das bedeutet Doktor Krissm Rt und ich, erreichten Temtkerr am späten Abend. Wir bezogen zwei spärlich ausgestattete Zimmer im Hotel am Marktplatz, und ich setzte mich noch an den wackligen Tisch, um einiges für die nächsten Tage zu bedenken.

Ich wusste, dass der Orden Mirrkt bereits instruiert hatte, bevor mein Elter seine Suche begann, so dass ich mir sicher sein konnte, dass Krissm Rt denselben Weg wie Professor Kirr nehmen würde. Und da ich dank eigener Nachforschung ebenso wusste, dass mein Elter das Auge von Stekk gefunden hatte, musste ich eine Möglichkeit ersinnen, Krissm ebenfalls recht schnell zu diesem Tempel zu lenken, damit es recht bald Kirrs weitere Spur aufnehmen konnte. Also präparierte ich sorgfältig mein Buch über den Schrein Tekkt und hoffte, Krissms Neugier auf die dargestellten Wegzeichen lenken zu können. Daraufhin legte ich mich zu Bett.

Nur wenig später wurde ich unsanft geweckt. Doktor Krissm schüttelte mich und rief mir zu, ich möge meine Sachen packen. Dann, auf dem Weg durch die nächtlich stille Stadt, erwähnte Krissm, dass es mit Mirrkt gesprochen hatte. Schon auf dem Rückweg ins Hotel habe es ein Poltern im Mirrkts Laden gehört, sei zurückgeeilt und habe den alten Seher tot vorgefunden. Nun, so berichtete Krissm weiter, halte man es für den Mörder Mirrkts.

Wir flohen mit einem Flugzeug, dessen Pilot von Krissm Rt bestochen worden war, uns noch vor dem eigentlichen Flugtagbeginn nach Krektsemk zu bringen. Von dort aus wollte Krissm Rt mit dem Zug weiter nach Osten. Nach meiner Uhr hätten wir den Morgenzug nicht mehr erreichen dürfen, aber die örtliche Polizei hatte ihn zum Zwecke der Durchsuchung nach einem jugendlichen Ausreißer aufgehalten, so dass wir noch zwei Plätze in der Zweiten Klasse buchen konnten.

Kaum dass wir saßen, nickte Krissm Rt ein. Dies gab mir die Gelegenheit, einen ersten kurzen Bericht an den Krynyr Synn zu verfassen, den ich an unserem Zielort absenden wollte. Als ich von meinen Notizen aufblickte, bemerkte ich ein Trrk, das sich in der Nähe niedergelassen hatte und zu dösen schien. Etwas kam mir vertraut an ihm vor und schließlich erkannte ich es als einen Arm des Ordens. Wir waren einander im Zusammenhang mit meinem Auftrag mein Elter betreffend begegnet, hatten allerdings keinen direkten Kontakt gehabt. Nur einen Augenblick lang spürte ich Staunen in mir, dass der Krynyr Synn nach der übereilten Flucht bereits wieder unsere Spur gefunden hatte, doch dann beruhigte mich der Gedanke, die Macht des Ordens in der Nähe zu wissen.

Doktor Krissm Rt erwachte schon wenig später wieder. Ich hatte bereits das Buch über den Schrein Tekkt in der Hand, und als Krissm vollständig ansprechbar war, fragte ich es, ob es das Werk kannte. Natürlich wusste ich, dass Krissm es gar nicht kennen konnte, denn es war ja vom Orden auf den Index gesetzt worden, und so griff Krissm erwartungsgemäß nach dem Buch. Es blätterte darin herum. Sein Interesse an der vollständigen Beschreibung des Schreins schien nicht sehr groß zu sein, was mich verwunderte, denn nach der Akte des Ordens über Krissm Rt war der Doktor noch nie am Schrein gewesen. Vielleicht war es deshalb nur mäßig neugierig, weil es sich um ein festes Bauwerk handelt, das kaum verziert ist und das sich vor allem nicht an irgendein Museum verkaufen lässt.

Als ich schon glaubte, Krissm Rt würde die entscheidende Stelle übersehen, bemerkte es meine Markierung und sah auf. Doch obwohl ich dieser Geste entnehmen konnte, dass Krissm Rt eine Frage bewegte, schwieg es. Ein Blick des Doktors fiel auf das Trrk neben uns und wieder erkannte ich eine leise Veränderung in Krissms Haltung. Als der Zug kurz darauf an einer Zwischenstation hielt, raffte Krissm seine und meine Sachen zusammen und zerrte mich mit sich hinaus. Das Ordens-Trrk reagierte zu spät; noch ehe es aussteigen konnte, setzte sich der Zug wieder in Bewegung.



 

Leseprobe 2 aus „Allein oder Das Erbe der Terraformer“



Die Vorabsonde war heil zurückgekehrt. Sie hatte freien Raum gemeldet. Das erste Shuttle meldete ebenfalls freien Raum, aber es kehrte nicht zurück. Auch das zweite Shuttle kam nicht zurück – Ines Braun sah es in dem Knoten verschwinden, und als der angehaltene Atem in ihrer Brust zu schmerzen begann, kam endlich Nachricht. Ein Hilferuf. Eine Geste von Braun genügte, und das Galaxy Ship tauchte dem Shuttle nach. Es durchbrach den Knotenhorizont, die Brückencrew starrte auf alle verfügbaren Anzeigen und Ines Braun – als Erster Offizier der GS3 Horizon im Moment Kommandant des Schiffes – fühlte jede Regung ihrer Leute. Nichts konnte ihr entgehen. Nichts durfte ihr entgehen. Da waren drei Männer draußen, für die sie die Verantwortung trug.
„Was ist passiert?“, fragte Stanislaw Tich beim Eintreten.
Braun wandte sich zum Captain um. „Ein Notruf. Wir sind gefolgt. Wir müssten gleich …“ Sie sah auf den Hauptbildschirm. Die Nebel des Knotendurchtritts hatten sich aufgelöst, leerer Raum lag vor ihnen. Ein Sternenmeer prangte wie eine strassbesetzte Stoffkulisse hinter dem Schwarz der Bühne. So nah am Zentrum war die Pracht atemberaubend. Braun sah es, erkannte es. Aber sie konnte es nicht fühlen. Auf der Bühne fehlten die Darsteller: Keines der Shuttles war zu sehen.
„Koordinaten?“, fragte Tich.
„Wie berechnet“, erwiderte Ardy Kusuma vom Navigationspult her.
„Zeit?“, fragte Braun.
„Zeit, Sir?“
Sie sah zu Kusuma „Ja genau: die Zeit. Gibt es einen Hinweis auf eine Änderung im Zeitlauf?“
„Nein, Sir. Nicht … auf den ersten Blick.“
„Dann werfen Sie noch drei oder vier weitere Blicke! Irgendwo müssen die Shuttles ja sein. Oder irgendwann.“
„Aye, Sir. Sofort, Sir.“
Braun spürte Tichs Blick. Sie erwiderte ihn. Er wusste doch, dass die Idee so abwegig nicht war! Wortlos ging Tich in den Captainsraum hinüber, Braun folgte ihm.
Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, sagte er: „Das ist kein Zeitknoten, Ines, das weißt du.“
Sie holte tief Luft. „Ja ich weiß, ich hab’s tausendmal durchgerechnet. Aber ich habe keine andere Idee.“
„Ein zweiter Ausgang?“, schlug Stanislaw Tich vor.
„Auch das hab’ ich tausendmal durchgerechnet.“
„Ich will dir nicht zu nahe treten, aber du bist Biologin, keine Astrophysikerin.“
„Ja, aber diese Formeln kenne ich, Stan, diese Formeln kenn’ ich.“
„Nur wie gut? Was ist zum Beispiel mit dem Einfluss der Krümmungskonstante, die so konstant erwiesenermaßen gar nicht ist?“
„Ach verdammt, Stanislaw! Ich will doch nur … eine Spur! Eine Idee! Einen Hinweis, wo wir suchen sollen.“
Er seufzte. „Ich weiß. Den hätte ich auch gern. Aber deine …“
Die Tür öffnete sich. Braun und Tich drehten sich um. Niemand kam herein. Dann schloss sich der Eingang wieder.
Tich ging zur Tür. Sie öffnete sich. Er trat einen Schritt in die Zentrale hinaus und sah sich fragend um. Die Brückencrew schaute fragend zurück.
„Was ist?“, erkundigte sich Braun und kam ebenfalls in die Zentrale.
Tich hob die Schultern.
„Sir, ich habe etwas gefunden“, meldete sich Kusuma. „Sie hatten recht. Wir sind nicht dort, wo wir sein sollten. Die Abweichung ist minimal, der Computer hatte sie als Steuerungsfluktuation interpretiert.“
„Ursache?“
„Keine Ahnung, Sir. Vielleicht haben wir den Knoten einfach falsch berechnet, irgendwas in den Daten der Föderation übersehen. Oder bei den vielen Datensätzen war ausgerechnet bei dem einen hier ein Fehler drin. Soweit wir wissen, benutzt die Föderation die Knoten nicht als Reisehilfen.“
„Okay.“ Braun versuchte, ruhig zu bleiben. „Was genau ist das für eine Abweichung?“
„Es ist eine minimale Ortsdifferenz. Kaum zu bemerken, die Sternpositionen variieren gegenüber der erwarteten Position.“
„Wie viel?“
„Wie viel was?“
„Kilometer. Um wie viele Kilometer sind wir falsch?“
„Das … eh … Sir, das ist schwer zu sagen.“
„Wo liegt das Problem?“
„Sir, wir, eh …“ Ein schriller Ton unterbrach ihn.
„Was ist das?!“, schrie Tich.
Ehe noch jemand antworten konnte, verstummte das Schrillen. Dafür erklang ein Warnsignal von den internen Terminals her. „Umweltkontrolle ausgefallen“, meldete der dort stehende Jussef Skah, „auf den Decks zwei, fünf und …“ Er sah zu Tich und Braun. „Alles wieder in Ordnung, Sirs.“
Ines Braun fühlte, wie ihr übel wurde. Alte Erinnerungen quollen in ihr auf. Neben ihr begann Tich zu husten. Braun wandte sich zu ihm, da versagten ihre Beine. Jetzt roch sie es: Abgase. „Raus“, versuchte sie zu rufen, „raus!“ Dann wurde ihr schwarz vor Augen.



 

Lexikalisches

 

Als die GS 3 Horizon bei ihrem 5. Flug wie üblich eine Knotenpassage benutzt, glauben die Menschen noch, das Phänomen nun endlich sicher berechnen zu können. Deshalb ist ihnen auch völlig unklar, warum die beiden Vorab-Boote spurlos verschwinden. Die Crew der Imte Rish – einem Schiff der Planetaren Föderation – ist hingegen sehr wohl klar, was da schief geht.
Die Besatzung der Horizon braucht ein wenig länger, um auf die richtige Spur zu kommen. Parallel setzt sie – nach der abgebrochenen Suche nach den beiden Booten – ihren Auftrag fort und kartografiert und erkundet Planeten, die als Menschen-Basis in diesem Sektor dienen könnten. Einer dieser Planeten ist Kelton, auf dem eine kleine Gesellschaft von Humanoiden lebt, die eine Datenbank schützen, in denen die großen Terraformer der Föderation – die Mhalm – Infos über die von ihnen belebeten Welten hinterlassen haben. Längst ist allerdings bewiesen, dass die Mhalm nicht die ersten Terraformer in unserem Universum waren …

Zwei weitere Handlungsstränge spielen sich auf dem Planeten Talla ab. Dieser gilt für die Förderation als Tabu-Planet, da seine Bewohner nach der ersten Kontaktaufnahme vor sehr langer Zeit beschlossen hatten, – zumindest vorerst – nicht weiter mit der Förderation interagieren zu wollen.
Die zivilisationsbildende Spezies auf Talla sind die Trrk, zwittrige Arthropodoiden. Zum einen werden die Erlebnisse eines Jugendlichen aus einem Naturvolk erzählt. Dieses absolviert gerade sein Prüfungsjahr auf einer einsamen Insel, wo es seine Befähigung, wie ein Erwachsenes zu agieren, unter Beweis stellen muss. Zur gleichen Zeit sind zwei Trrk der beginnenden Industriegesellschaft auf Schatzsuche. Es geht um archäologische Artefakte. Eines der beiden Trrk ist dabei im Auftrag eines Geheimordens unterwegs.

Die erste Begegnung mit der Planetaren Föderation wird in der Geschichte „Am Anfang war der Irrtum“ geschildert.

Die Geschichte der Horizon schließt den ersten Komplex des Zyklus (also den Story-Kreis rund um Ines Braun) ab. Sie ist zugleich Vorgeschichte für „Instinkte“, einen (geplanten) Roman aus dem zweiten Komplex (den Story-Kreis rund um Michaela Brauer).


Rahmen-Bedingungen 2313:
Politische Situation
Raumfahrt
Raumknoten

Spezifisches für die Geschichte:
Galaxy-Ships
Planeten und Sternenreiche
Personen



 

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