Leseprobe 1 aus „Allein oder Das Erbe der Terraformer“



So vergingen ein paar Wochen. Dann trat der Orden erneut an mich heran und beauftragte mich, Doktor Krissm Rt dazu zu bringen, Professor Kirr nachzureisen. Ich bemühte mich, mir nicht vorzustellen, dass Doktor Krissm Rt meinem Elter zur Rettung geschickt werden sollte oder der Professor nun auch aus der Sicht des Ordens verschollen war und sie Krissm Rt brauchten, ihn aufzuspüren, aber auch das war nur von mäßigem Erfolg gekrönt. Also konzentrierte ich mich auf meine Aufgabe.

Dem Ruf folgend, der Krissm vorauseilt, erzählte ich ihm von der Absicht meines Elter, das Auge zu finden, und zeigte ihm die gleichen Symbole, die ich schon dem Professor untergeschoben hatte. Krissm Rt, das ich wohl eher als Abenteurer und Schatzsucher denn als Archäologen bezeichnen möchte, erkannte die Zeichen nicht oder gab dies zumindest vor. Auf dem Weg in das als Gaunerparadies verschriene Nest Temtkerr, wo Krissm einen alten Seher namens Mirrkt zu befragen gedachte, räumte der Doktor jedoch ein, die Analogie zu den üblichen archäologischen Zeichen für die Tempel aus dem Hellen Zeitalter durchaus bemerkt zu haben.

Wir, das bedeutet Doktor Krissm Rt und ich, erreichten Temtkerr am späten Abend. Wir bezogen zwei spärlich ausgestattete Zimmer im Hotel am Marktplatz, und ich setzte mich noch an den wackligen Tisch, um einiges für die nächsten Tage zu bedenken.

Ich wusste, dass der Orden Mirrkt bereits instruiert hatte, bevor mein Elter seine Suche begann, so dass ich mir sicher sein konnte, dass Krissm Rt denselben Weg wie Professor Kirr nehmen würde. Und da ich dank eigener Nachforschung ebenso wusste, dass mein Elter das Auge von Stekk gefunden hatte, musste ich eine Möglichkeit ersinnen, Krissm ebenfalls recht schnell zu diesem Tempel zu lenken, damit es recht bald Kirrs weitere Spur aufnehmen konnte. Also präparierte ich sorgfältig mein Buch über den Schrein Tekkt und hoffte, Krissms Neugier auf die dargestellten Wegzeichen lenken zu können. Daraufhin legte ich mich zu Bett.

Nur wenig später wurde ich unsanft geweckt. Doktor Krissm schüttelte mich und rief mir zu, ich möge meine Sachen packen. Dann, auf dem Weg durch die nächtlich stille Stadt, erwähnte Krissm, dass es mit Mirrkt gesprochen hatte. Schon auf dem Rückweg ins Hotel habe es ein Poltern im Mirrkts Laden gehört, sei zurückgeeilt und habe den alten Seher tot vorgefunden. Nun, so berichtete Krissm weiter, halte man es für den Mörder Mirrkts.

Wir flohen mit einem Flugzeug, dessen Pilot von Krissm Rt bestochen worden war, uns noch vor dem eigentlichen Flugtagbeginn nach Krektsemk zu bringen. Von dort aus wollte Krissm Rt mit dem Zug weiter nach Osten. Nach meiner Uhr hätten wir den Morgenzug nicht mehr erreichen dürfen, aber die örtliche Polizei hatte ihn zum Zwecke der Durchsuchung nach einem jugendlichen Ausreißer aufgehalten, so dass wir noch zwei Plätze in der Zweiten Klasse buchen konnten.

Kaum dass wir saßen, nickte Krissm Rt ein. Dies gab mir die Gelegenheit, einen ersten kurzen Bericht an den Krynyr Synn zu verfassen, den ich an unserem Zielort absenden wollte. Als ich von meinen Notizen aufblickte, bemerkte ich ein Trrk, das sich in der Nähe niedergelassen hatte und zu dösen schien. Etwas kam mir vertraut an ihm vor und schließlich erkannte ich es als einen Arm des Ordens. Wir waren einander im Zusammenhang mit meinem Auftrag mein Elter betreffend begegnet, hatten allerdings keinen direkten Kontakt gehabt. Nur einen Augenblick lang spürte ich Staunen in mir, dass der Krynyr Synn nach der übereilten Flucht bereits wieder unsere Spur gefunden hatte, doch dann beruhigte mich der Gedanke, die Macht des Ordens in der Nähe zu wissen.

Doktor Krissm Rt erwachte schon wenig später wieder. Ich hatte bereits das Buch über den Schrein Tekkt in der Hand, und als Krissm vollständig ansprechbar war, fragte ich es, ob es das Werk kannte. Natürlich wusste ich, dass Krissm es gar nicht kennen konnte, denn es war ja vom Orden auf den Index gesetzt worden, und so griff Krissm erwartungsgemäß nach dem Buch. Es blätterte darin herum. Sein Interesse an der vollständigen Beschreibung des Schreins schien nicht sehr groß zu sein, was mich verwunderte, denn nach der Akte des Ordens über Krissm Rt war der Doktor noch nie am Schrein gewesen. Vielleicht war es deshalb nur mäßig neugierig, weil es sich um ein festes Bauwerk handelt, das kaum verziert ist und das sich vor allem nicht an irgendein Museum verkaufen lässt.

Als ich schon glaubte, Krissm Rt würde die entscheidende Stelle übersehen, bemerkte es meine Markierung und sah auf. Doch obwohl ich dieser Geste entnehmen konnte, dass Krissm Rt eine Frage bewegte, schwieg es. Ein Blick des Doktors fiel auf das Trrk neben uns und wieder erkannte ich eine leise Veränderung in Krissms Haltung. Als der Zug kurz darauf an einer Zwischenstation hielt, raffte Krissm seine und meine Sachen zusammen und zerrte mich mit sich hinaus. Das Ordens-Trrk reagierte zu spät; noch ehe es aussteigen konnte, setzte sich der Zug wieder in Bewegung.