Werdegang

 

Ulrike Jonack wurde 1966 geboren, studierte Chemie, schulte nach langer Arbeitslosigkeit um und arbeitete dann als Redakteur bei einer Wochenzeitung. Seit 1996 ist sie Redakteur in einer Leipziger Agentur, die u. a. Print-Magazine erstellt.


Literarisch ist jon – so ihr Autorennname – in der Science Fiction beheimatet. Das mag von Stanislaw Lems Buch „Die neuen Abenteuer des Piloten Pirx“ herrühren, das sie mit 10 las und von dem sie dachte: „Das will ich auch machen, so schreiben.“ Vier Jahre später war ihr erster „Roman“ fertig – eine Blättersammlung mit einem Text weit entfernt von Lem’scher Güte. Sie merkte das durchaus und versuchte sich fortan an Kurzgeschichten. Und sie las –bevorzugt SF –, was zu DDR-Zeiten kein allzu kostspieliges Hobby darstellte, denn erstens waren Bücher generell günstig und zweitens was das SF-Angebot übersichtlich.

Ein weiterer Meilenstein auf dem Schreibweg jons war „Störgröße M“ von Bernd Ulbrich – „Das will ich schreiben“, wusste sie. Ungefähr in dieser Zeit begann eine als kurz geplante Geschichte sich zu einer größeren Story auszuwachsen. Auch der Plan für die Handlung ging nicht auf – die Figuren spielten einfach nicht mit. Die Erkenntnis, dass Geschichten ihre eigenen Regeln haben, war der Durchbruch, der Durchbruch zur Erkenntnis, warum jon schreiben musste.

All das hätte heutzutage wohl dazu geführt, dass Ulrike Jonack „irgendwas mit Literatur“ studiert hätte, um dann Autor zu werden. Aber Schriftsteller als Beruf? Damals für sie undenkbar. Also studierte sie „was Ordentliches“. Ohne das Schreiben aufzugeben. Im Gegenteil. Zum einen gab es Ausflüge in die Lyrik – nachträglich betrachtet eine wunderbare Übung für das Klangempfinden im Zusammenhang mit Text – und zum anderen begannen sich die SF-Storys um eine Person herum zu gruppieren. Irgendwann schien alles zu dieser Katharina Brauer gesagt und sie starb den literarischen Tod.

Aber es war nicht alles gesagt; immer mehr Geschichten aus ihrem Leben „tauchten auf“ und schließlich schuf jon Warén. Das war in den späten 1980ern. Und das Buch war gut. Dieser Text war – das wusste jon – nicht für die Schublade gemacht.

Dann war das Kapitel Hochschule zu Ende, die Wende hatte die sicher geglaubte Stelle „gekillt“ und Ulrike Jonack war arbeitslos. Umschulen wollte sie, aber auch da war der Markt dünn bestückt. Dann – sie war schon fast aus der Tür beim Arbeitsamt – sagte die Mitarbeiterin: „… oder schreiben Sie gern?“ Ja natürlich schrieb sie gern! Und so wurde sie Fachzeitschriftenredakteur; in diesem Jahr lernte sie, dass Texten ein Handwerk ist.

Es dauerte weitere Jahre bis zum nächsten Schreib-Schritt. In dieser Zeit überarbeite jon Warén, schuf neue Storys, veröffentlichte in FanMagazinen, machte einen Fernschulkurs namens „Autor werden“ und landete schließlich in Leipzig als Redakteur für Centerzeitschriften. Und sie bekam – damals war das noch nicht Alltag für alle – Zugang zum Internet. Und zu einem Autorenforum, wo genau das passierte, was sie suchte: Arbeit mit und am Text. Auf Leselupe.de ist sie heute noch unterwegs …

In diesen Jahren stand auch der Freundeskreis Science Fiction Leipzig in jons Terminkalender. Auf einer der Lesungen erlebte sie Andreas Eschbach, der sein Buch „Die Haarteppichknüpfer“ vorstellte. Sie las es und war überwältigt. Das war – bei aller Bescheidenheit – genau ihre Sprache, war ihr Figurenverständnis, war ihr Stil. Und wenn Eschbach damit so einen Erfolg haben konnte, dann konnte auch sie es wagen, Warén zu veröffentlichen.

Das tat sie, den Verleger dazu traf sie auf der Leselupe. Und auch wenn das Buch – natürlich – weit entfernt von Eschbach’schen Verkaufszahlen rangierte, bekam es doch Anerkennung. Ein Ausdruck dafür war der Alien-Contact-Award, eine Art „Lesenswert!“-Siegel des schon damals renommierten Magazins für deutschsprachige SF.

Als Warén erschien, lagen bereits weitere Bücher in jons Schublade und die Idee, die Vorgeschichte zu Warén – die Sammlung der verschiedenen Einzelstorys – in einem Buch, einer Collage zu vereinen, war längst geboren. Es dauerte jedoch eine ganze Weile, ehe daraus neue Veröffentlichungen wurden. In dieser Zeit war jon auf der Leselupe als Autor aktiv, gab zwei SF-Ausgaben der Leselupen-Bücherei heraus, reichte Storys für Anthologien ein. Und ja: Es gab auch Versuche, „Zweisam“ – den zweiten SF-Roman – in einem Verlag unterzubringen.

2013 dann der nächste Schritt: Selfpublishing. Die Möglichkeiten dafür hatten sich in den letzten Jahren sprunghaft verbessert. Als Test erschien „Der schönste Name der Welt“, ein Märchen, das im Vorfeld bei den Foren-Lesern gut angekommen war.

2014 dann endlich der zweite SF-Roman aus dem Warén-Universum: „Zweisam oder Die Sache mit Akakor“ erschien. Als Begleitung dazu war das E-Book „Am Anfang war der Irrtum“ gedacht. Hierin sind drei Vorgeschichten zu lesen – eine zu „Warén“, und zwei zu „Zweisam“.

Im gleichen Jahr brachte die Phantastik-Plattform www.fantasyguide.de die Anthologie „Am Ende des Regens“ heraus, in der die jon’schen Erzählungen „Am Ende des Regens“ und „Der letzte Tag im Paradies“ abgedruckt wurden. Letztere wurde im Folgejahr für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert und schaffte es immerhin auf Platz drei.

Das Jahr 2015 stand schließlich ganz im Zeichen der „Toten Helden“. Hier erzählt jon von einer Frau, die am Anfang ohne Erinnerungen und Identität dasteht. Einige Ereignisse und Geschichten, auf die sie bei ihrer Suche nach sich selbst stößt, sind in die Rahmenstory – diese Suche – eingebettet. Einige dieser Erzählungen erschienen vorab als E-Books; begleitend wuchs auf der Homepage www.jonRomane.de ein umfangreiches Lexikon heran.

Noch während die Werbe- und PR-Aktionen zu „Tote Helden“ laufen, ging schon der nächste Roman auf die Schlussrunden: „Allein oder Das Erbe der Terraformer“ erwuchs aus „Am Ende des Regens“ und erschien nach vielen, vielen Umbauten und Neufassungen Sommer 2016. Mit dieser Veröffentlichung rundete sich vorerst das Bild von jons Hauptwerk. Nun ist Zeit, sich dem nächsten Roman zu widmen. Er wird erneut auf Warén spielen. Das Konzept steht jedenfalls schon …