jons Warén-Welt: Lexikon zu den einzelnen Geschichten
Raumfahrt: Raumknoten – Stand 2313

 

Raumknoten

Raumknoten entstehen, wenn sich – salopp gesagt – der Raum so verdreht und verbiegt, dass es zu Überlappungen kommt. Anders als bei Wurmlöchern, die durch „Dehnung“ entstehen, sind die Übergänge nicht kontinuierlich; es finden eher Sprünge zwischen Raum-Segmenten statt.

Geschichte der Nutzung

Die Existenz vom Raumknoten wurde 2261 nachgewiesen; Versuche, die Knoten als Passagen für Schiffe zu nutzen, scheiterten; Manche Testobjekte durchflogen den Punkt, an der Knoten war, ohne zu springen, andere wurden an diesem Punkt zerstört, wieder andere sprangen offenbar, waren am berechneten Zielgebiet aber nicht auffindbar.

Es dauerte bis 2270, bis man die für den Sprung nötigen Annäherungsgeschwindigkeiten und Eintrittswinkel so sicher bestimmen und einhalten konnte, dass unbemannte und wenig später auch bemannte Schiffe (die immer erst unbemannte Probesonden durchschicken) die Passagen nutzen konnten. Je weiter Eingangs- und Zielgebiet im Normalraum auseinander lagen, desto weniger genau konnte man diese Dinge berechnen, so dass am Anfang nur kürzere Distanzen so überwunden wurden. Trotzdem erhöhte sich der Aktionsradius der Menschen erheblich, denn die technische Reichweite der Schiffe musste nun nicht mehr 50:50 für Hin- und Rückweg geplant werden.

Da in der Zeit vor der Nutzung der Knoten Crews lange „leere“ Strecken oft in Tiefschlaf bzw. Anabiose verbrachten, waren die Schiffe mit entsprechenden Kammern ausgestattet. Deshalb hatte sich eingebürgert, auch Knotendurchgänge in Anabiose zu absolvieren; man begründete es damit, dass den Körpern, deren Lebensfunktionen auf ein Minimum reduziert sind, die Wechsel zwischen den Raumsektoren weniger anhaben können.

Das alles betrifft gezielte Sprünge; es passierte natürlich immer auch, dass Objekte – auch bemannte Schiffe – „aus Versehen“ in unerkannte Knoten gerieten.

Der Wissenstand um 2280 war: Man muss einen Knoten in einem bestimmten Winkel und einer bestimmten Geschwindigkeit durchqueren, um am Ziel anzukommen. Dabei gilt für beides weniger ein einzelner Wert als vielmehr ein Bereich – wo der liegt und wie groß der ist, kann aus den Daten des umgebenden Raumes berechnet werden. Auch das Zielgebiet kann vorherberechnet werden – jedoch ebenfalls nur als „Bereich“, weshalb in der Regel Vorabsonden geschickt werden, die nach ihrer Rückkehr durch den Knoten genauere Angaben über das Zielgebiet mitbrachten.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Astrophysiker noch uneins: Die Berechnungen anhand der Raumdaten am Eingang legte nahe, dass es nicht nur einen Eintritt-Bereich (Winkel) gab, und dass unter Umständen das Zielgebiet von der Wahl des Winkels abhing. In der Praxis war das bisher allerdings noch nicht nachgewiesen worden. Auch die These, dass manche Knoten nur von A nach B, nicht aber umgekehrt passierbar sein könnten, galt als unbewiesen. Obwohl die Verfechter dieser Theorien sich darauf beriefen, dass damit die Fehlschläge in der Anfangsphase der praktischen Erforschung der Knoten erklärbar wären, spielten diese Überlegungen in Raumfahrt selbst nur eine nebengeordnete Rolle.

Spätestens mit der Erfahrungen aus der Wöltu-Reise setzte sich bei allen die Erkenntnis durch dass Knoten …
… entweder von beiden Seiten her oder nur von einer Seite her (also ohne Rückkehrmöglichkeit durch den selben Knoten) passierbar sind
… je nach Eintrittswinkel zu verschiedenen Zielgebieten führen können
… Raumgebiete mit unterschiedlichem Zeitlauf verbinden können.
Alle das kann rechnerisch vorab ermittelt werden; bei erdfernen Knoten oft erst aus Daten, die man direkt im Eingangssektor erheben muss..

Raumknoten werden nun folgendermaßen bezeichnet: Lage Eingang / Schlüssel / Lage Zielausgang. Bei markanten Zielen wird umgangssprachlich oft auch nur ein Name verwendet (z. B. Wöltu-Knoten).
Schlüssel:
d1 = Ziel unabhängig von Durchtrittswinkel:
d2 = Ziel abhängig von Durchtrittswinkel:
t1 = gleicher Zeitlauf:
t2 = zyklischer Zeitunterschied
t21 = hochfrequenter Zyklus
t22 = mittelfrequenter Zyklus
t23 = niedrigfrequenter Zyklus
t3 = azyklischer Veränderung des Zeitlaufes
r1 = Rückkehr möglich / d1
r2 = Rückkehr möglich / d2
r3 = Rückkehr nicht möglich

Als 2303 die GS 1 Hope auf ein Schiff der Planetaren Föderation traf und im Rahmen freundschaftsbildender Maßnahmen Daten ausgetauscht wurden, erhielten die Menschen auch verfeinerte Gleichungen zur Knotenberechnung. Sie bestätigen im Wesentlichen die schon bekannten Eigenschaften der Passagen.